Vor drei Jahren haben es die Landesregierung und Vertreter der Wirtschaft beschlossen: Schulen und Unternehmen in Baden-Württemberg sollen so genannte Bildungspartnerschaften eingehen. Jetzt haben das altsprachliche Ravensburger Spohn-Gymnasium und die Grünkrauter Firma Blum-Novotest eine solche Partnerschaft vertraglich besiegelt.

- Wolfgang Bechler (links) und Alexander Blum (rechts) unterzeichnen im Beisein der Schüler den Vertrag.
Ein altsprachliches Gymnasium sucht sich ausgerechnet ein High-Tech-Unternehmen als Bildungspartner aus? Wolfgang Bechler, stellvertretender Schulleiter des altehrwürdigen Ravensburger Spohn-Gymnasiums lacht: „Dass wir eine humanistische Schule sind, heißt ja nicht, dass wir verstaubt und weltfremd sind.“ Im Gegenteil, das „Spohn“ bereitet die Jugendlichen im Unterricht sehr wohl auf die Herausforderungen in der modernen Welt vor. Gerade ein solcher Versuch eines altsprachlichen Gymnasiums könnte interessant sein, sagt der Konrektor. Die Partnerschaft mit der Grünkrauter Firma Blum bezeichnet Bechler als Glücksfall. Nicht zuletzt finden sich diverse Gemeinsamkeiten im Leitbild der Firma wie auch im Profil der Schule. Freundlich, persönlich und respektvoll begegnet man sich in der Partnerschaft und unterstreicht damit das Bild, das den Jugendlichen in der überschaubaren und persönlichen Schule vermittelt wird.
Die Schüler werden in das Wirtschaftsleben eingeführt oder können lernen, einen Roboter zu programmieren. Sechstklässler fertigen an der Werkbank einen Mehlsack, Abiturienten programmieren eine Ampelsteuerung. Blum-Mitarbeitende bieten Berufs- und Studieninformationen an. Jüngst kam der Leiter der Japan-Niederlassung zum Englischkurs und diskutierte – natürlich auf Englisch – mit den Schülern über japanische Schulsysteme und andere Japan betreffende Themen, etwa die Atomenergie.
Seitens des Unternehmens engagiert man sich mit Freude in der Bildungspartnerschaft. Firmenchef Alexander Blum geht es nicht darum, heute schon Arbeitskräfte für morgen zu gewinnen. „ Die Bildungspartnerschaft mit dem Spohngymnasium soll bei den Schülern das Verständnis schaffen, dass heute in Industrieunternehmen nicht nur die Naturwissenschaften für den technischen Part wichtig sind. Sondern auch verschiedene Geisteswissenschaften über Fremdsprachen bis hin zur Sozialkompetenz im Umgang mit Kunden aus anderen Kulturkreisen eine spannende Rolle spielen. Produzierende und international aktive Unternehmen erwirtschaften wesentlich den Wohlstand im ressourcenarmen Deutschland. Sie sind attraktive Arbeitgeber für Menschen mit verschiedensten Fähigkeiten und Interessen.“
Bei der Vertragsunterzeichnung überreichte Alexander Blum der Schule einen Scheck über 2000 Euro. „Diesen Betrag wollen wir natürlich so einsetzen, dass er unseren Schülern unmittelbaren Gewinn bringt. Wir wollen dafür Lego-Roboter anschaffen, die an vielen verschiedenen Stellen für unsere Schule zum Einsatz kommen sollen“, bekräftigt Wolfgang Bechler.